2. Juni | Thomas Dörflinger MdB

 

Tüchtig sollen sie sein, hatte Adolph Kolping seinen Gesellen eingeschärft. Tüchtig in der Familie, im Beruf, als Christ und für Staat und Gesellschaft. Heute, wo aus dem Gesellenverein mit dem Kolpingwerk ein generationenübergreifender Verband geworden ist, gilt die Mahnung des Gesellenvaters noch immer. Demokratie ist nichts zum Zuschauen, es ist etwas zum Mitmachen. In Parteien, Gewerkschaften, Bürger- und Wählerinitiativen. Für Demokratie muss man fortlaufend etwas tun; sie kam nicht von selbst und sie bleibt auch nicht von selbst.

 

Das Kolpingwerk Deutschland hat daher zur Bundestagswahl die Aktion „heute für morgen. Wählen!“ gestartet. Wir möchten für die Entscheidung vom 24. September eine Orientierung geben. Wir wollen von den Personen, die sich um ein Mandat im Deutschen Bundestag bewerben, wissen, wie sie zu den Themen stehen, die uns besonders wichtig sind. Das Kolpingwerk hat sich aus gutem Grund immer als parteipolitisch neutral verstanden. Aber: unsere Positionen gründen sich auf der katholischen Soziallehre und der evangelischen Sozialethik, und daher möchten wir gerne wissen, ob und wenn ja in welcher Form dies auch für die Menschen von Belang ist, die sich um einen Sitz im höchsten deutschen Parlament bemühen.

 

In der Politik darf nicht nur, manchmal muss sogar Klartext gesprochen werden. Allerdings erfüllt uns schon mit Sorge, welcher Ton bisweilen in der politischen Auseinandersetzung angeschlagen wird. Um es klar zu sagen: wer seine politischen Positionen dadurch zu vertreten sucht, indem er andere aus welchem Grund auch immer verunglimpft, herabsetzt oder sich der historischen Verantwortung zu entziehen sucht, kann nicht nur nicht mit unserer Unterstützung rechnen, er trifft auf unseren Widerstand. Die Achtung vor der Würde des Menschen steht nicht ohne Grund prominent in unserer Verfassung. Sie muss daher auch unbedingte Richtschnur des politischen Handelns sein.

 

Die Bundestagswahl stellt die Weichen für die nächsten vier Jahre in Deutschland, sie bestimmt aber auch indirekt das Geschehen in Europa mit. Man mag manches im heutigen Europa für verbesserungswürdig halten; dass das gemeinsame Europa als Wertegemeinschaft des 21. Jahrhunderts aber einen Fortschritt gegenüber dem nationalstaatlichen Handeln des 19. und 20. Jahrhunderts darstellt, wird aber wohl niemand in Abrede stellen. Schon Adolph Kolping dachte bei der Gründung der Gesellenvereine nicht in nationalen Kategorien; er schuf mit der Gründung von Vereinen in Österreich, der Schweiz, Südtirol und darüber hinaus die Grundlagen für eine europaweite, ja letztlich weltweite Gemeinschaft.