21. Juli | Henryk Woźniakowski, Präsident der Verlagsgruppe znak (Polen)

Henryk Wozniakowski, ist Präsident der polnischen Verlagsgruppe Znak und langjähriges Mitglied der Initiative Christen für Europa (IXE). Znak ist eine polnische Verlagsgruppe, die vor vielen Jahren von (katholischen) Privatleuten in Krakau gegründet wurde, um die dortige katholische Wochenzeitschrift zu unterstützen. Im Laufe der Jahre wurden verschiedene weitere katholische Verlage geründet, die Teil dieser Verlagsgruppe sind.

Copyright: znak
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The Polish national poem  Pan Tadeusz by the romantic bard Adam Mickiewicz starts with an invocation:

 

O Lithuania, my country, thou

Art like good health; I never knew till now

How precious, till I lost thee. Now I see

Thy beauty whole, because I yearn for thee. (trans. Kenneth Mackenzie)

 

Today many Poles ask a question whether we won’t soon yearn for democracy as Adam  did for his lost homeland. The Law and Justice (PiS) governing party who won the last election under the banner of more equitable redistribution of national income and the renovation of the state, started a kind of a conservative counterrevolution. Its pillars are: the centralization of power, the subordination of the legislative and judicial powers to the executive, the control over the public media and local authorities, a cultural switch due to the “replacement of elites”, the reform of education, the reinterpretation of history through  “politics of memory”. All that means a destruction of many achievements of the last quarter of the century, spoils the state and the young democratic culture, weakens the international position of the country, turn us away from the core of the European Union. It is particularly worrying for the generation which remembers well the oppresive communist regime and for those who fought to overthrow it.    

 

The Catholic group of Znak, and its publications such as the weekly Tygodnik Powszechny  and monthlies Znak and Więź  managed to keep their independence  and coherence under communism and consistently tried to expand the limits of  free speech, to promote the ideas  and reforms of the Second Vatican Council, to remind the principles of the rule of law and democracy. Its leaders such as Turowicz, Stomma, Bartoszewski and Mazowiecki opened a path to the process of reconciliation with the neighbours,  first of all with Germany. After 1976 many of us, members of the Znak group, joined and supported the new opposition and the  underground press, than the Solidarity movement, to be finally involved in the peaceful transition to democracy, in the first democratic parliament and government.

 

Now, facing the threats to freedom and democracy present in Poland and the undemocratic forces in the other countries we try to strengthen the young people civic consciousness, to defend a pro-European orientation, to promote a healthy separation of the State and the Church given the fact that today the latter much too often let itself to be used or even manipulated by the right wing politicians for their political profits. Freedom must be constantly gained, it can’t be only possessed, as John Paul II wrote in one of his poems. The same applies to democracy.

 

Henryk Woźniakowski


Das polnische Nationalgedicht "Pan Tadeusz" des Romantikers Adam Mickiewicz beginnt mit einem Anruf:

 

"Litauen! Wie die Gesundheit bist du, mein Vaterland.

Ich wusste nie, wie wertvoll du bist, bis ich dich verlor.

Jetzt, weil ich mich nach dir sehne, erkenne ich deine ganze Schönheit."

 

Heute fragen viele Polen, ob wir uns nicht bald schon nach der Demokratie sehnen werden, so wie Adam nach seiner verlorenen Heimat. Die Regierungspartei "Gesetz und Gerechtigkeit" (PiS), die die letzte Wahl unter dem Banner der gerechteren Verteilung des Volkseinkommens und der Erneuerung des Staates gewann, begann eine Art konservativer Konterrevolution. Ihre Säulen sind: die Zentralisierung der Macht, die Unterordnung der Legislativ- und Justizbefugnisse gegenüber der Exekutive, die Kontrolle der öffentlichen Medien und der Kommunen, ein kultureller Wandel durch "Austausch der Eliten", die Reform des Bildungswesens, die Neuinterpretation der Geschichte durch eine "Politik der Erinnerung". Das alles bedeutet eine Zerstörung vieler Errungenschaften der letzten 25 Jahre, verdirbt den Staat und die junge demokratische Kultur, schwächt die internationale Position des Landes und führt uns vom Kern der Europäischen Union weg. Es ist besonders besorgniserregend für die Generation, die sich gut an das unterdrückende kommunistische Regime erinnert, und für diejenigen, die dafür gekämpft haben, es zu stürzen.

 

Die katholische Gruppe von Znak und ihre Publikationen, wie die Wochenzeitung "Tygodnik Powszechny" und die Monatszeitungen "Znak" und "Więź" schafften es, ihre Unabhängigkeit und Kohärenz unter dem Kommunismus zu bewahren. Sie hatten konsequent versucht, die Grenzen der freien Rede zu erweitern, die Ideen und Reformen des Zweiten Vatikanischen Konzils zu fördern und an die Grundsätze der Rechtsstaatlichkeit und der Demokratie zu erinnern. Ihre führenden Persönlichkeiten wie Turowicz, Stomma, Bartoszewski und Mazowiecki eröffneten einen Weg zum Prozess der Versöhnung mit den Nachbarn, vor allem mit Deutschland. Nach 1976 schlossen sich viele von uns Mitgliedern der Znak-Gruppe als Unterstützer der neuen Opposition und der Untergrundpresse an, wie der Solidaritätsbewegung, und waren schließlich am friedlichen Übergang zur Demokratie, am ersten demokratischen Parlament und an der ersten demokratischen Regierung beteiligt.

 

Angesichts der Bedrohungen der Freiheit und der Demokratie in Polen, angesichts der undemokratischen Kräfte in anderen Ländern versuchen wir, das noch junge bürgerschaftliche Bewusstsein zu stärken, eine proeuropäische Orientierung zu verteidigen, eine gesunde Trennung des Staates und der Kirche zu fördern. Dies ist auch der Tatsache geschuldet, dass sich die Kirche heute viel zu oft von den Politikern des rechten Flügels für deren politischen Profit benutzen oder sogar manipulieren lässt. Freiheit muss ständig gewonnen, sie kann nicht nur besessen werden, so schrieb Johannes Paul II. in einem seiner Gedichte. Das gleiche gilt für die Demokratie.

 

Henryk Woźniakowski