22. August | Dr. Nikolaus Legutke

(c) Ortsverein SPD Markkleeberg
(c) Ortsverein SPD Markkleeberg

SCHLIEßT EUCH AN

 

Als sich am 9. Oktober 1989 in Leipzig die Menschen aus den Kirchen auf den Leipziger Innenstadtring begaben, waren sie alle von einem Wunsch beseelt:  Wir wollen der Demokratie und Freiheit zum Sieg verhelfen. Tausende Menschen standen an den Straßenrändern und sahen dem Geschehen zu. Bald ertönte neben dem Ruf "WIR SIND DAS VOLK!" der Ruf "SCHLIEßT EUCH AN". Diesen Ruf möchte ich nach 27 Jahren weitertragen an die vielen Menschen, die abseits oder abwartend am "Straßenrand" stehen und zusehen, was zurzeit in unserem Land geschieht. Wir sehen auch heute wieder Bewegungen, die diesen unseren errungenen Sieg, die Demokratie als Lebensform zu etablieren, gefährden.   So möchte ich auch heute auf die Straße gehen und diesen Ruf wiederholen – "SCHLIEßT EUCH AN!", um die Demokratie und unsere Freiheit zu schützen.

 

Die Stärke der Demokratie, jedem Menschen die Möglichkeit zu geben, an der Gestaltung seines Lebens und unserer Gesellschaft mitzuwirken, ist gleichzeitig ihre Schwäche. Sie gestattet auch das Entstehen extremistischer und rechtspopulistischer Bewegungen und Parteien wie Pegida, Legida und auch der AfD. Selbstverständlich lässt unsere parlamentarische Demokratie Entwicklungsräume zu, aber Änderungen dürfen auf keinen Fall die Würde des Menschen verletzen, gleich welcher Hautfarbe, welcher Religion oder anderer spezifischer Eigenheiten. Die Rechte, die uns die Demokratie zugesteht, wahrzunehmen, andere Menschen auf diesen Weg mitzunehmen und unsere christlichen Überzeugungen in die Politik und die Gestaltung unsere Gesellschaft einzubringen, ist eine immerwährende Aufgabe.

 

So war es für mich selbstverständlich, zunächst am "Runden Tisch" unserer Stadt teilzunehmen, dann ab 1990 als Stadtrat und später als Kreisrat. Die gewählten VerteterInnen in allen Ebenen haben ihren Beitrag zum Schutz der Demokratie zu leisten, ständig im Gespräch zu bleiben mit denen, die ihnen ihr Vertrauen ausgesprochen haben, unser Land und unsere Gesellschaft zu gestalten. Die Demokratie gestattet uns, sich einzumischen, sich einzubringen, aber immer unter Beachtung unser christlichen Grundhaltung und des Grundgesetzes – "DIE WÜRDE DES MENSCHEN IST UNANTASTBAR".