Prof. Dr. Gerhard Kruip, Univ. Mainz

 

Statement für die ZdK-Initiative DEMOKRATIE STIMMT

 

„Während die Menschheit des post-industriellen Zeitalters vielleicht als eine der verantwortungslosesten der Geschichte in der Erinnerung bleiben wird, ist zu hoffen, dass die Menschheit vom Anfang des 21. Jahrhunderts in die Erinnerung eingehen kann, weil sie großherzig ihre schwerwiegende Verantwortung auf sich genommen hat.“ Mit diesen Worten appelliert Papst Franziskus in Laudato si‘ Nr. 165 an unser aller Verantwortung dafür, die aktuellen Weltprobleme nicht zu verdrängen. Dabei geht es nicht nur um den Klimawandel. Auch anderen gravierenden Herausforderungen müssen wir uns stellen. Die Probleme sind zweifelsohne sehr komplex. Patentlösungen wird es nicht geben. Die wichtigsten Ressourcen, die wir brauchen, sind die Vernunft und die Fähigkeit zu politischen Kompromissen.

 

Leider sieht es derzeit so aus, als würden uns diese Ressourcen verloren gehen. In der Öffentlichkeit scheinen diejenigen Stimmen besonderes Gehör zu finden, die die Probleme leugnen oder die furchtbar einfache Lösungen vorschlagen, die nicht funktionieren werden. So verständlich die Unzufriedenheit vieler Menschen darüber ist, dass es „die Politik“ bisher „versagt“, und so verständlich der Wunsch ist, es „denen da oben“ mal so richtig zu zeigen, so wenig wird es helfen, Parteien die Stimme zu geben, die die aggressiven Energien, die durch diesen Frust erzeugt werden, auf ihre Mühlen zu lenken versuchen, um Wählerstimmen zu bekommen, ohne aber sich um politisch realisierbare Lösungswege zu bemühen. Eine solche Art des politischen Wettbewerbs führt weder zur Auswahl der besten Lösungen noch zur Auswahl derjenigen Personen, die konstruktiv Verantwortung für das Gemeinwesen übernehmen wollen.

 

 

Was wir brauchen, sind nüchterne Situationsanalysen, eine sachliche Debatte um mögliche Lösungswege und politische Kompromisse, mit deren Hilfe es gelingt, im politischen Prozess Mehrheiten für realistische Projekte und Reformen zu bilden. Nur auf diese Weise, können wir der Vernunft eine Chance geben und der drohenden kollektiven Unvernunft eine Absage erteilen. Und deshalb müssen wir genau diese Politikerinnen und Politiker unterstützen, die billiger Polemik zugunsten eines sach- und lösungsorientierten Diskurses eine klare Absage erteilen.