7. Juli | Dr. Peter Frey, ZDF

Copyright: ZDF/Laurence Chaperon
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 Haltung zeigen!

„Elite-Medien“, „Alt-Parteien“, „alternative Fakten“ – es sind solche Begriffe, die mir Sorgen bereiten. Begriffe, mit denen Populisten versuchen, die Glaubwürdigkeit der Medien anzugreifen und die Gesellschaft zu polarisieren.

Seit Pegida den Begriff „Lügenpresse“ geprägt hat, ist der Eindruck entstanden, immer mehr Menschen zweifelten grundsätzlich an Glaubwürdigkeit und Unabhängigkeit der Medien – unserem wichtigsten Kapital. Das ist aber nicht der Fall - wie z.B. regelmäßige Befragungen der Forschungsgruppe Wahlen für das ZDF zeigen. Die Zahl derer, die uns uneingeschränkt vertrauen, liegt bei rund zwei Dritteln. Es gibt keine die ganze Öffentlichkeit umfassende Glaubwürdigkeits- und Vertrauenskrise, sondern eine Minderheit, die uns und unsere Arbeit in Frage stellt.

 

Wir müssen dafür sorgen, dass das Virus des Zweifels am Journalismus nicht in die Mitte der Gesellschaft überspringt. Wir müssen begreifen, was hinter den so genannten „Sorgen und Ängsten“ verunsicherter Bürger steckt. Wir müssen mehr verstehen und analysieren, wo die Gründe für die Entfremdung aus der gefühlten Mitte der Gesellschaft liegen. Aber wir müssen nicht für alles Verständnis haben. Wenn es um Anschläge auf Flüchtlingsheime, um Gewalt- und Morddrohungen gegen Politiker und Journalisten, um Ausländerhass oder Antisemitismus geht, endet das Verständnis. Hier heißt es: Haltung zeigen!

 

Wir müssen unser professionelles, journalistisches Selbstbewusstsein gegen die Strategie der Verunsicherung unserer Gegner setzen – und insofern müssen wir neben aller Bereitschaft zu Kritik, Transparenz und Dialog eine Art Schutzhaut bilden, um unser schwieriges Handwerk Tag für Tag zu bewältigen. Ohne Selbstbewusstsein kann es keinen guten Journalismus geben. Ich bin überzeugt: Wir leisten mit unabhängiger Berichterstattung, mit Kritik, Analyse und gut begründeten Meinungsbeiträgen unseren Beitrag für Zusammenhalt und Verständigung – und ganz am Ende, und darum geht es ja, für das Funktionieren dieser Demokratie.